Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Herbern

Herbern. Vor 80 Jahren, am 31. März 1945, wurde der Zweite Weltkrieg in Ascheberg beendet. Der Film "Retter der Nacht", der die Geschichte der jüdischen Familie Spiegel beschreibt, endet mit der Szene des Einmarsches amerikanischer Truppen in Herbern.

Marga Spiegel schreibt in ihren Erinnerungen: "Am Karfreitagmorgen kamen die Kinder von Aschoffs von der Beichte zurück und berichteten, dass im Dorf schon amerikanische Panzer stünden. Der Bericht gab mir das Gefühl, endlich freier atmen zu können. Aber es war noch nicht die wirkliche Befreiung: Was konnte noch geschehen, wie lange mochte der Kampf währen, wenn wirklich Dorf für Dorf, Hof für Hof verteidigt würden?"

Die Antwort bekommt sie wenige Stunden später. Am Karsamstag 1945 (31.März 1945) erobern amerikanische Truppen Herbern. Zwei Einwohnerinnen kommen im Verlauf zu Tode, vier Bauernhöfe werden in Brand geschossen. In den Tagebüchern von Heinz Rogge ist diese Zeit dokumentiert.

"In der Nacht vom 30. zum 31. März wurde Herbern von den Amerikanern besetzt. Der 2. Weltkrieg war damit praktisch für das Dorf Herbern aus. Doch wie für viele Städte und Orte war es auch in unserem Dorf nicht ohne Tod, Zerstörung, Brand und Schrecken geblieben.

Zwischen 04.00 und 05.00 Uhr am Morgen erreichten von Capelle her über den Weg durch die Wälder von Westerwinkel etwa 200 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge Herberner Boden. Von hier aus nahmen die Panzer das Dorf Herbern und seine Umgebung unter Feuer, um abzutasten, ob Widerstand geleistet wurde.

Gegen 5.00 Uhr morgens rollten die Panzer weiter in Richtung Forsthövel über die Merschstraße. Vorher hatte der damalige Bürgermeister Determeyer das Dorf einem amerikanischen Offizier übergeben. Etwa zwei Kilometer hinter dem Dorf Herbern in Richtung Mersch, in der Bauernschaft Forsthövel (Brünnemanns Ort) stießen die Amerikaner auf Widerstand. ... In dem sich in Forsthövel entwickelten Gefecht wurden die Gehöfte Homann, Feldmann-Krampe, Gräwe und Kroes in Brand geschossen und sie brannten einschließlich eines großen Teils des Viehbestandes fast vollständig nieder. Zivilpersonen kamen bei diesem Gefecht nicht ums Leben. Dagegen mussten fünfzehn der jungen Offiziersanwärter, fast alle um 18 Jahre alt, ihr Leben lassen."

1984 resümiert die Festschrift "100 Jahre Volksbank Herbern“. Bis Kriegsende sind 186 Herberaner Bürger im Krieg gefallen. Infolge Kriegshandlungen und Raubüberfälle starben in Herbern vier Zivilpersonen, 51 Männer blieben vermisst.

Am Ostersonntag 1945 beginnt für das Dorf ein neues Leben, eine neue Zeit, auch wenn die meisten Menschen dies noch nicht wahrnehmen. Bürgermeister Determeyer schreibt am Ostersonntag ins Protokollbuch des Gemeinderates:

"Der Krieg ist verloren. Die Partei ist aufgelöst. Die Amerikaner habe ich im Amt getroffen. ... Alle Gemeinderäte scheiden aus"

Quelle: https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/finde/langDatensatz.php?urlID=897&url_tabelle=tab_websegmente

Soldatengräber auf dem Herberner Friedhof erinnern an den Krieg

© Schütte