Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht – Erinnerung an die Familie Samson
Herbern. 87 Jahre nach den Novemberpogromen der Nationalsozialisten gegen die jüdische Bevölkerung hat die SPD Ascheberg am Sonntagnachmittag zu einer Gedenkfeier an der Ecke Merschstraße/Bernhardstraße eingeladen. Rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung, um an die Herberner Familie Samson zu erinnern – die letzte jüdische Familie, die 1938 noch in Herbern lebte.
In ihrer Ansprache mahnte die stellvertretende SPD-Ortsvereinsvorsitzende Birgit Homann, dem wieder zunehmenden Antisemitismus entschieden entgegenzutreten. „Man muss alles dafür tun, dass dieser Hass keinen Raum findet. Doch es bleibt die Aufgabe von uns allen, Judenhass konsequent entgegenzutreten – unabhängig davon, aus welcher Richtung er kommt und wo er stattfindet“, betonte Homann. „Nur so können wir der Verantwortung gerecht werden, die unsere Geschichte uns auferlegt.“
Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 markierte den Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung hin zu ihrer systematischen Verfolgung und Ermordung. Synagogen, Geschäfte und Wohnhäuser jüdischer Familien wurden niedergebrannt, zerstört und geplündert, Jüdinnen und Juden angegriffen, getötet und deportiert.
Auch in Herbern traf der Terror die Familie von Ernst Samson. Er war im Ersten Weltkrieg für Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden und galt als geachteter Bürger der Gemeinde. Trotzdem zertrümmerten am 10. November 1938 unbekannte Täter die Fenster seines Hauses und Geschäfts an der Merschstraße 175, zerstörten Schaufensterscheiben und Möbel.
Am 11. Dezember 1941 wurden Ernst Samson (42), seine Frau Emma (39) sowie die Töchter Margret (18) und Gerda (16) mit einem Sammeltransport nach Münster gebracht und von dort in das rund 1700 Kilometer entfernte Ghetto Riga deportiert. Später kam die Familie in das Konzentrationslager Stutthof in der Danziger Bucht. Ernst Samson überlebte nicht. Emma Samson starb 1945 nach der Befreiung auf dem Rücktransport in Berlin. Die beiden Töchter überlebten und kehrten zunächst nach Herbern zurück, wanderten jedoch bald darauf in die USA aus.
Heute erinnern an der Bernhardstraße vier Stolpersteine an Ernst, Emma, Margret und Gerda Samson. Im Rahmen der Gedenkfeier wurden an diesem Ort Kerzen entzündet und Blumen niedergelegt. „Diese Verbrechen gehören zu den dunkelsten Kapiteln in der Geschichte unserer Gemeinde“, sagte Homann. „Es ist unsere Aufgabe, diese Erinnerung wachzuhalten, eine Wiederholung auszuschließen und entschieden für Toleranz, Menschlichkeit und Frieden einzutreten.“
Auch der evangelische Pfarrer a. D. Wilfried Voß, die Pädagoginnen Michaela Steffen und Elke Schürmann von der Profilschule Ascheberg sowie zwei ihrer Schülerinnen richteten bewegende Worte an die Anwesenden.
Vier Stolpersteine erinnern an Ernst, Emma, Margret und Gerda Samson – die letzte jüdische Familie in Herbern. Kerzen und Blumen wurden während der Gedenkfeier an der Bernhardstraße niedergelegt.