Jürgen Neuhaus: Ein halbes Jahrhundert für die DLRG
von Claudia Hurek
HERBERN. Seit fast 50 Jahren gehört das Wasser zum Leben von Jürgen Neuhaus. Im kommenden Jahr feiert der 66-jährige Herberner ein besonderes Jubiläum: Dann ist er seit einem halben Jahrhundert Mitglied der DLRG-Ortsgruppe Herbern. Für Neuhaus ist das weit mehr als ein Hobby. „Es ist eher wie Familie“, sagt er.
Seit 40 Jahren engagiert sich Neuhaus zudem im Zentralen Wasserrettungsdienst Küste (ZWRD-K) in Scharbeutz und Timmendorfer Strand. Wer dort eingesetzt werden möchte, muss mindestens 16 Jahre alt sein, das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber besitzen und eine Erste-Hilfe-Ausbildung absolviert haben. Die Saison läuft vom 15. Mai bis zum 15. September. Auch aus der DLRG-Ortsgruppe Herbern sind regelmäßig Helferinnen und Helfer dabei.
Seit Januar 2025 ist Neuhaus im Ruhestand. Zuvor arbeitete er als Logistiker bei BASF und opferte einen Großteil seines Jahresurlaubs für den Wasserrettungsdienst. In diesem Jahr kam er auf stolze 86 Einsatztage in Scharbeutz.
Während ihres Dienstes wohnen die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer im DLRG-Gästehaus und werden dort verpflegt. Für Neuhaus ist der Ort längst zu einem Stück Heimat geworden.
Doch in diesem Jahr blieb es nicht bei der Ostseeküste. Zusätzlich war Neuhaus elf Tage als Poolwache auf dem Kreuzfahrtschiff Mein Schiff Relax im Einsatz. Die Zusammenarbeit zwischen DLRG und TUI Cruises läuft zunächst als Pilotprojekt.
„Mein Kumpel hat mich gefragt, ob ich mitmachen würde. Warum nicht? Also haben wir uns beworben und hatten das große Glück, angenommen zu werden“, erzählt Neuhaus.
Gemeinsam mit zwei weiteren DLRG-Mitgliedern beaufsichtigte er in zwei Schichten einen 25 Meter langen, sechs Meter breiten und 1,30 Meter tiefen Pool. Die Reise führte nach Norwegen. Einen Rettungseinsatz gab es glücklicherweise nicht.
Für Neuhaus war die Zeit an Bord dennoch ein besonderes Erlebnis. „In unserer Freizeit sind wir vom Personal genauso behandelt worden wie die zahlenden Gäste. Das war ein großartiges Erlebnis und hoffentlich nicht mein letzter Einsatz auf einem Schiff.“
Mit dem Dienst an der Küste sei die Arbeit allerdings kaum vergleichbar. Dort werde deutlich häufiger Hilfe benötigt. Den Rettungskräften stehen unter anderem Jetskis, Offroadfahrzeuge, motorisierte Schlauchboote und Drohnen zur Verfügung.
In fast fünf Jahrzehnten bei der DLRG hat Neuhaus unzähligen Menschen geholfen. Manche Einsätze bleiben besonders in Erinnerung. Zweimal musste er Menschen bergen, für die jede Hilfe zu spät kam. „Besonders ärgert es mich, wenn Menschen unbelehrbar sind und auf unsere Warnungen nicht hören. Sie riskieren nicht nur das eigene Leben, sondern auch das anderer Menschen.“
Auch an erfahrenen Rettungskräften gehen solche Erlebnisse nicht spurlos vorbei. „Zum Glück haben wir Seelsorger vor Ort, die sofort zur Stelle sind und uns unterstützen.“ Die meisten Einsätze verliefen jedoch deutlich unspektakulärer. „Ein Segen ist, dass wir viel öfter ‚Pflaster kleben‘ müssen, als Menschen aus Gefahrensituationen zu retten.“
Für ihr langjähriges Engagement wurden zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer im vergangenen Jahr vom schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther geehrt. Auch Neuhaus gehörte dazu. „Das macht schon stolz.“
Mit dem Saisonende im September ist das DLRG-Jahr allerdings noch nicht vorbei. Zum Abschluss feiern die Helferinnen und Helfer in Scharbeutz ein vorgezogenes Weihnachtsfest. „Ganz viele kommen extra noch einmal dafür nach Scharbeutz“, erzählt Neuhaus. Gemeinsam wird gegessen, gefeiert und auf die Saison zurückgeblickt. Auch darüber hinaus gibt es regelmäßige Treffen, oft gemeinsam mit den Familien.
Es ist diese Gemeinschaft, die Neuhaus seit fast 50 Jahren bei der DLRG hält. Ans Aufhören denkt der 66-Jährige noch lange nicht.
„Ich hoffe, dass ich diesen Dienst noch lange, lange weitermachen kann. Solange ich gesund und fit bin, wird das wohl so bleiben.“
Seit fast 50 Jahren engagiert sich Jürgen Neuhaus für die DLRG. Für seinen langjährigen Einsatz wurde er auch vom schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther geehrt.