Schlehenspinner: Auffällige Raupe mit ungewöhnlichem Lebenszyklus
Von Edith Budde
Vier dichte, gelbe oder braune Haarbüschel (Bürsten) auf dem Rücken, lange schwarze Haarpinsel am Kopf- und Hinterende, blaugraue Grundfarbe mit roten Warzen – klarer Fall: eine Raupe des Schlehenspinners (Orgyia antiqua) gerade unterwegs auf Nahrungssuche. Nur die Raupen des Schlehenspinners fressen. Sie sind nicht wählerisch und ernähren sich von den Blättern sehr vieler verschiedener Laubgehölze, Sträucher, Obstbäume und sogar mancher Nadel- oder Kräuterpflanzen. Die erwachsenen Schmetterlinge nehmen keine Nahrung mehr zu sich.
Mit ihrem auffälligen Aussehen will die Raupe Vögel und andere Raupenliebhaber abschrecken. Die dazugehörigen Falter sind eher unauffällig. Die Männchen haben braunrote Vorderflügel mit einem weißen Fleck und nur eine Flügelspannweite von 25 bis 30 mm. Die Weibchen haben einen plumpen stark kurz behaarten Körper und gar keine Flügel. Sie erinnern optisch eher an Raupen als an typische Schmetterlinge. Ihr Leben ist auch kurz. Sie verlassen den Kokon ihrer Puppe erst gar nicht, sondern und locken die Männchen durch Pheromone an. Sie legen ihre 100 bis 300 weißgrauen Eier in kleinen Gruppen auf Pflanzen ab und sterben dann.
Der Schlehenspinner (Orgyia antiqua) gehört in Mitteleuropa zu den häufigsten Schmetterlingsarten, und man findet ihn in Gärten, Parks und Wäldern. Die erwachsenen Falter sieht man allerdings seltener. Männchen fliegen schnell vorbei, und die Weibchen haben keine Flügel und bleiben auf ihrem Kokon sitzen.
Auffälliger Kletterer: Eine Raupe des Schlehenspinners krabbelt über eine Baumrinde.