Thomas Großerichter scheitert am 20-Tage-Plan, nicht am Traum

Paris/Guelmim (Agadir)/Herbern. Noch bevor in Paris die Großstadt richtig erwachte, saß Thomas Großerichter bereits im Sattel. Es war sechs Uhr morgens, als er unter dem Eiffelturm aufbrach – begleitet nur vom ersten Licht des Tages und einer Vision, die größer kaum sein könnte: 6000 Kilometer bis Dakar, 20 Tage Zeit, ein Mensch, ein Rad.

Seitdem trägt ihn jede Pedalumdrehung weiter: durch Frankreich, über Spanien, hinunter an die Küste, bis ihn die Fähre nach Afrika brachte. Ein Moment, der weit mehr war als nur ein Streckenabschnitt. „Endlich in Afrika“, schrieb er. Ein kurzer Satz, aber voller Gewicht. Es war der Augenblick, in dem aus einer Idee ein Abenteuer wurde.

In Marokko erlebt Großerichter Herzlichkeit, Offenheit und Wege, die gleichzeitig fordern und belohnen. Er erzählt von Rückenwindetappen, die fliegen lassen – und von Tagen, an denen der Wind wie eine unsichtbare Wand vor ihm steht. Von 5-Uhr-Starts, Nächten mit kaum Schlaf und Tagesdistanzen zwischen 140 und 300 Kilometern. Bis Samstag (29. November) hat der gebürtige Herberner 3119 Kilometer zurückgelegt – in nur 14 Tagen. Mehr als 20.000 Höhenmeter stecken inzwischen in seinen Beinen.

Einmal erreicht er das Hotel schon am Nachmittag, eine seltene Pause, fast wie ein Atemzug zwischen Hitze, Staub und Strecke. Doch die Realität dieser Extremtour bleibt hart. Am 14. Tag meldet er sich per Video und sagt: „Dakar in 20 Tagen werde ich wohl nicht mehr schaffen.“ Kein Satz der Resignation – eher eine ehrliche Bilanz eines Mannes, der weiß, wie sehr er an seine Grenzen geht.

Noch knapp 2900 Kilometer trennen ihn von Dakar. Vor ihm liegen Hitze, Sand, Einsamkeit aber auch Weite, Freiheit und das, was ihn antreibt: ein Traum, der größer ist als jeder Zweifel.

Dass er weiterfährt, steht fest. Für Thomas Großerichter ist diese Reise längst mehr als nur ein sportlicher Versuch. Sie ist Grenzgang, Sehnsuchtsweg oder kurz die Freiheit auf zwei Rädern.

Thomas Großerichter ist mit dem Rad auf dem Weg nach Dakar.

© Großerichter