Weißdorn – Insektenfutter und Herzmedizin

In lichten Laubwäldern, an Wegrändern und Hecken sorgt Weißdorn jetzt für ein weißes Blütenmeer. Der Strauch wird fünf bis zehn Meter hoch und die Äste sind mit den doldenartig beisammenstehenden kleinen, weißen Blüten überhäuft. Der starke Blütenduft ist allerdings für uns Menschen eher unangenehm, lockt aber unzählige Insekten zur Bestäubung an. Der fischartige Geruch wird durch den Stoff Trimethylamin hervorgerufen, der auch im Vaginalsekret der Frau und im Ejakulat des Mannes vorkommt. Ab September bilden sich die kugeligen leuchtendroten Apfelfrüchte. Das Fruchtfleisch ist sehr mehlig, weshalb man den Weißdorn früher „Mehldorn“ oder „Mehlbeere“ nannte.

Der deutsche Name Weißdorn weist entweder auf die weißen Blüten und die vorhandenen Sprossdornen oder auf die helle Rinde im Gegensatz zur Schwarzdorn genannten Schlehe hin. Der Name Crataegus hängt mit dem griechischen Wort für stark, fest zusammen und weist auf das harte Holz des Weißdorns hin. Es wurde früher auch zur Herstellung von Heugabeln, Rechen, Druckstöcken und Werkzeugstielen genommen.

Unsere Vorfahren glaubten, dass sie sämtliche Krankheiten loswerden könnten, wenn sie es schafften, durch eine Weißdornhecke zu kriechen. Auch bei Dornröschen spielte der Weißdorn eine wichtige Rolle. Die Hecke, die im Märchen um das Schloss rankte, war aus Weißdorn. Auch sollte Weißdorn vor bösen Zauberkräften schützen. Deshalb nagelte man so viele Weißdornzweige an die Stalltüre, wie Kühe im Stall standen. Und Kinderwiegen wurden aus Weißdornholz geschnitzt.

Weißdorn (Crataegus) besitzt tatsächlich auch Heilkräfte. Heute weiß man, dass sich die Inhaltsstoffe des Weißdorns sehr positiv auf das Herz auswirken und auch bei seelisch bedingten Krankheiten, die durch Trauer und Kummer hervorgerufen werden, helfen können.1990 war Weißdorn die Heilpflanze des Jahres. Mittlerweile gibt es viele Präparate mit Weißdorn zu kaufen.

Für die Tierwelt hat der Weißdorn eine große ökologische Bedeutung. Fast 170 Insektenarten ernähren sich vom Weißdorn und werden wiederum von den Heckenvögeln verspeist. 56 Schmetterlingsarten finden hier Nektar und deren Raupen nahrhafte Blätter. Als Hecke gepflanzt ist der dornige Strauch ein optimaler Nistplatz für zahlreiche Vogelarten. Seine Früchte und die vielen Insekten sind für die Vogelwelt ein wichtiges Nahrungselement. 32 Vogelarten tragen auf diese Weise zur Verbreitung des Weißdorns bei. Denn die Samen sind erst entwicklungsfähig, wenn sie den Vogeldarm passiert haben!

Auffällig sind die rosa Staubgefäße, die nach der Bestäubung schrumpfen und dunkel werden.

© Budde /Heimatverein