Ende der Kolpingsfamilie im Jubiläumsjahr? 100 Jahre – und wie geht es weiter?

Herbern. Die Kolpingsfamilie Herbern feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Doch ausgerechnet im Jubiläumsjahr stellt sich eine ernste Frage: Hat der Verein noch eine Zukunft?

Zurzeit zählt die Kolpingsfamilie 85 Mitglieder. Viele sind seit Jahrzehnten dabei. Junge Menschen kommen kaum noch neu hinzu. Ein großer Teil der heutigen Mitglieder stammt aus dem Spielmannszug der Kolpingsfamilie. Nachwuchs fehlt – und ohne Nachwuchs wird es schwierig.

Vorsitzender Helmut Weißenberg steht seit 1984 an der Spitze des Vereins. Er spricht offen über die Situation: „Man muss der Wahrheit ins Auge schauen. Es funktioniert nicht mehr ohne Nachwuchs.“ Bei der nächsten Jahreshauptversammlung soll ausführlich über die Zukunft beraten werden. Auch eine Fusion mit der Kolpingsfamilie in Ascheberg ist eine mögliche Lösung für die Zukunft.

Die Kolpingsfamilie gehört zum weltweiten Kolpingwerk International mit Sitz in Köln. Gegründet wurde die Bewegung von Adolph Kolping (1813–1865). Sein Ziel war es, Menschen zu stärken und ihnen Halt in Familie, Beruf, Kirche und Gesellschaft zu geben.

Auch in Herbern hat sich die Kolpingsfamilie viele Jahrzehnte lang engagiert. Mit Altkleidersammlungen wurden unter anderem das Herberner Ferienlager, ein Waisenhaus in Rumänien und Projekte in Uganda unterstützt. Bedürftige Menschen in Rumänien erhielten Kleidung und Schuhe. Zudem gab es Bildungsangebote, Ausflüge, Stadtbesichtigungen und gesellige Abende.

Doch die gesellschaftlichen Veränderungen machen auch vor Traditionsvereinen nicht halt. Ehrenamtliches Engagement ist heute nicht mehr selbstverständlich. Viele Vereine kämpfen mit ähnlichen Problemen.

Ob das 100-jährige Jubiläum im Jahr 2026 ein Abschied wird oder ein Neuanfang, ist noch offen. Die Entscheidung darüber fällt in den kommenden Monaten. Sicher ist: Es geht um die Zukunft einer Gemeinschaft, die Herbern ein Jahrhundert lang geprägt hat.

Ende der Kolpingsfamilie im 100. Jubiläumsjahr? Helmut Weißenberg (Bildmitte) wird das Thema auf der Jahreshauptversammlung erneut ansprechen. "Es funktioniert einfach nicht mehr."

© Isabel Schütte (Archiv)