"Frau mit Jück" erinnert an alte Zeiten
Seit vierundzwanzig Jahren steht die Bronzefigur des Bocholter Bildhauers Jürgen Ebert auf dem Platz vor der ehemaligen Drogerie Lohmann. Der Volksmund nennt sie „Frau mit Jück“, übersetzt aus dem Plattdeutschen bedeutet es „Frau mit Joch“.
Noch vor den 1950er Jahren war Herbern ohne Wasserleitung, und die Hausfrauen mussten das Wasser in Eimern nach Hause tragen. Zuvor hatten sie es aus dem wenige Meter vom Standort der Skulptur entfernten Wellpütt gepumpt. Da die eigenen Brunnen nicht so viel hergaben, konnte man dort Wasser holen. Dieser Brunnen ist nie versiegt.
Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Heimatvereins wurde die „Frau mit Jück“ im Sommer 2001 - damals noch mit dem verstorbenen Vorsitzenden Theo Reimann - feierlich enthüllt. Nachbarvereine nahmen daran ebenso teil wie Vertreter der Gemeinde. Sogar eine Gänseliesel mit lebenden Gänsen kam zur Einweihung. Das Gedicht „Frau met Jüek“, das der „Wasserträgerin“ eine Geschichte und einen Vornamen gab kommt aus der Feder von Christel Homann:
Frau met Jüek
In alle Düörp int Mönsterland hän vielle Lüd ‘ne Kauh,
un es wi hier dat sölwst wuell wiert’t, was’t auk in Hiärbn sau.
All muorns fröh, wenn Niewel steeg, moken sik Fraulüd ut’n Duorp met Jüek un Emmers up’n Patt up Westerwinkel tau.
Dao har de Graof de Weid’n verpacht för Küötters un Düörpers Kaih,
von eegen Grass wuor Hei gemakt för Winterdagg, büs Mai.
Dann gonk et wier van vüorn’n loss met Holsken,
Jüek un Emmer’s,de Kaih to melken,
up de Weid wuell mourns, meddags, aobends.
Nu steiht se hier, ne Frau met Jüekun hät no keinen Namen,
dao fällt mi jüst Kathrina in, waorüm will ik verkläörn.
Kathrina laip, dreimaol an’n Dagg met’, Klapphaut un met Jüek, von’t Krankenhues no Pastors Kamp,
de Kaih häwt bölkt vör Glück,
ganz vielle Jaaohre lang.
Se was bekannt int ganze Duorp, un küert een von Kathrina, wuss jedereen, we dao gementes bi Schwester Ludowika.
De Frau met Jüek, ’ne Gaus daobie, se lött us nich vergietten,
wu schwuor de Lüd to driägen hän, kann man nu dao an miätten.
Doch geiht vandag no mannich een met Jüek düör use Duorp. Blaus kann man et nu nich män saihn, wuell use Hiärt - un Kopp.
Kiekt wi us üm, un miärkt bi een’n, de häw doch schwaor to driägen,
so helpt wie em, dat is wuell klaorun wi müet us nich schiämen.