"Tante Emma" musste Mehl und Zucker noch abwiegen

Herbern. Vor fünfzig Jahren ragte ein großes Haus vor der St.-Benedikt-Kirche empor und verlieh so dem Dorfkern einen anderen Charakter. Den Geschwistern Willi, Änne und Paula Westhues gehörte das Objekt. Sie betrieben hier nach dem Krieg ein Lebensmittelgeschäft sowie einen Landhandel. In den 1960er Jahren wurde das Gebäude in eine Strickerei umfunktioniert. Nach einem Brand wurde das markante Haus abgerissen.

„Ich erinnere mich noch ganz genau“, erzählt die Herbernerin Christel Homann aus vergangenen Tagen und schwelgt in Erinnerungen. Mitte der 1940er Jahre gab es zum Kirchplatz hin eine große Eingangstür zum Lebensmittelgeschäft Westhues, und zur Bergstraße hin wurde ein Landhandel betrieben. „Wenn man durch die große, schwere Eingangstür hereinging, waren dort Regale bis unter die Decke - gefüllt mit großen Schubladen. Eine Lebensmittelwaage stand auf dem Tresen. Mehl, Zucker, Senf, Rübenkraut - das gab es nach dem Krieg nicht wie heute abgepackt zu kaufen. Alles wurde zu der Zeit fein säuberlich abgewogen“, berichtet Christel Homann aus ihrer Kindheit und ergänzt: „Das war so ein schöner Laden.“ Selbstbedienung war zu der Zeit ein Fremdwort. Die Lebensmittel wurden früher lose in Säcken oder Schütten aufbewahrt und erst beim Verkauf gewogen und in Tüten abgefüllt.

Besonders imposant waren damals für die kleine Christel die Bonbongläser auf der Ladentheke. „Eins gab es immer geschenkt - bei einem Stückpreis von ein bis zwei Pfennig war das schon etwas ganz Besonderes“, schmunzelt die Herbernerin. Auf der gegenüberliegenden Seite zur Bergstraße hin betrieb Willi Westhues einen Landhandel. Dort gab es Korn und Futtermittel für das Vieh. Angebot und Nachfrage wurden für den Tante-Emma-Laden und den Landhandel im Laufe der Jahre immer geringer. In den 1960er Jahren wandelte man die Geschäftsräume in eine Strickerei um und produzierte Socken und andere Strickwaren.

Vor genau 51 Jahren gab es im Hause Westhues einen Brand, die Strickerei wurde danach nicht wieder eröffnet. Ein Jahr später verkauften die Geschwister das Haus an Familie Stratmann. Paula und Änne Westhues zogen nach Münster, und Willi wanderte nach Kanada aus, wo er eine Farm betrieb. Die Familie Stratmann riss das alte Gebäude ab und ließ dort einen Neubau errichten.

© Vor 50 Jahren stand das Haus Westhues an der Stelle vom Gardienengeschäft Stratmann. Nach einem Brand in den 1974er Jahren wurde es abgerissen.