„Kunst als Lebensanker – Markus Trafelet findet hier neuen Halt“

Von Claudia Hurek

Herbern. Mehr als 40 Jahre war Roswitha seine große Liebe. Nach ihrem Tod fand Markus Trafelet neuen Lebensmut in seiner Kunst. Mit feinen Schriftzügen und präzisen Bleistiftporträts füllt er heute sein Zuhause und sein Herz.

Herbern. Seit 52 Jahren lebt der gebürtige Schweizer Markus Trafelet (73) in Deutschland. Seine Stationen führten ihn über Düsseldorf, wo er 1979 lebte, schließlich nach Herbern. Der gelernte Zweiradmechaniker war neben seinem Beruf über 26 Jahre als vereidigter Sachverständiger für Motorräder tätig.

Zu Beginn seines Lebens in Deutschland machte sich Trafelet in der damaligen Szene mit seiner Arbeit als Modelfotograf einen Namen. 1975 setzte er die Miss-Deutschland-Wahl fotografisch in Szene. „Das waren großartige Zeiten. Ich habe viele bekannte Persönlichkeiten wie Marlène Charell oder Carlo von Tiedemann kennenlernen dürfen. Damals hatte ich sogar ein kleines Fotostudio“, erinnert er sich. Widrige Umstände zwangen ihn später dazu, diese Nebentätigkeit aufzugeben. Zahlreiche Ordner voller Fotos erinnern ihn noch heute an diese Zeit. Damals widmete er sich zudem der Airbrush-Technik, in der er zahlreiche Auszeichnungen erhielt und sogar eine Ausstellung bestücken durfte.

Nach seinem Ausstieg aus dem Berufsleben vor zehn Jahren restaurierte er über viele Jahre Oldtimermotorräder. „Inzwischen habe ich alle verkauft und meine Werkstatt vermietet. Leider lässt mein Gesundheitszustand das nicht mehr zu.“

Seit dem viel zu frühen Tod seiner Ehefrau Roswitha im Jahr 2021 widmet er sich intensiv dem „Schönschreiben“. „Wir hatten über 40 Jahre eine traumhafte Beziehung. Nach ihrem Tod bin ich zuerst in ein tiefes Loch gefallen. Unsere Kinder Andreas und Susanne haben mich in dieser schweren Zeit sehr unterstützt.“ Die Kalligrafie half ihm dabei, wieder Freude zu finden. Schon in seiner Kindheit wurde er in der Schweizer Schule darin unterrichtet. Später vertiefte er sein Können über mehrere Jahre an der VHS.

Die Kalligrafie – die Kunst des schönen Schreibens mit Pinseln, Federn oder Stiften – erfordert viel Übung und Geduld. In einem Buch hat Trafelet rund 800 Sprüche über Liebe, Lebensweisheiten und stille Gedanken gesammelt und kalligrafisch gestaltet. Rund 15 Prozent der Texte stammen aus eigener Feder. „Leider darf ich das Buch aus urheberrechtlichen Gründen nicht verkaufen“, erklärt er.

Seit kurzem widmet sich Markus Trafelet zudem dem Bleistiftzeichnen. „Ich suche mir einfach im Internet Porträtfotos und zeichne diese nach.“ Damit die Werke perfekt in Szene gesetzt werden, fertigt sein guter Freund Frank Kemna Grundplatten aus Sandwich-Aluminium. Der Rahmen besteht aus Karton, der mit grauer Metallicfolie beklebt wird.

Seine Kunst bleibt für Markus Trafelet jetzt und auch in Zukunft ein stiller Begleiter und ein Stück Lebensfreude.

Fotostrecke: https://photos.app.goo.gl/WmQtFVCue2kcypJy8

Markus Trafelet widmet sich mit viel Ruhe und Konzentration der Bleistiftzeichnung.

© Claudia Hurek