Ohne Startnummer, aber immer in Bewegung: Oliver Schuschel läuft auf die Zielgerade zu

20 Westerwinkelläufe, unzählige Kilometer und ein 80-köpfiges Helferteam: Am 7. November steht Oliver „Olli“ Schuschel beim 37. Westerwinkellauf ein letztes Mal als Orga-Chef in der Verantwortung. Danach übergibt er den Staffelstab an die nächste Generation.

HERBERN. Während andere beim Westerwinkellauf (WWL) um Sekunden, Bestzeiten und Platzierungen kämpfen, absolviert Oliver Schuschel seit zwei Jahrzehnten seinen ganz persönlichen Marathon. Mal auf dem Fahrrad entlang der Strecke, mal im Start- und Zielbereich, mal mitten im Gewusel zwischen Läufern, Helfern und Zuschauern. Wer „Olli“ sucht, muss sich beeilen. Denn der Mann ist gefühlt überall gleichzeitig. Stillstand? Kennt er nicht.

Doch auch dieser Marathon geht irgendwann zu Ende. Am Samstag, 7. November, wenn der SV Herbern zum 37. Westerwinkellauf einlädt, steht für den langjährigen Orga-Chef der Abschied an. Nach 21 Jahren und 20 organisierten Läufen gibt er die Verantwortung ab.

80 Helfer als Rückhalt

Eine Laufveranstaltung mit rund 1000 Sportlern lässt sich nur gemeinsam stemmen. Schuschel weiß dabei ein 80-köpfiges Helferteam hinter sich, auf das er sich jederzeit verlassen kann. Ob an der Strecke, im Start- und Zielbereich oder hinter den Kulissen: Jeder packt mit an.

„Der Teamgeist und dass alle Helfer auch nach so langer Zeit immer noch mit diesem Enthusiasmus dabei sind, macht die Veranstaltung so besonders“, sagt Schuschel.

Hinzu kommen viele Details, die den WWL prägen: Läufer, die sich im Wald gegenseitig anfeuern, ein professioneller Moderator, selbstgebackene Kuchen und persönliche Worte bei der Siegerehrung. Es ist diese Mischung aus sportlichem Ehrgeiz und gelebter Gemeinschaft, die bei den Teilnehmern ankommt. Das zeigen auch die zahlreichen positiven Rückmeldungen.

Der richtige Zeitpunkt für die Staffelübergabe

Seinen Rückzug hatte Schuschel bereits vor drei Jahren angekündigt. „Ich glaube, den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht“, sagt er. Entscheidend sei für ihn gewesen, frühzeitig Nachfolger zu finden und ihnen ausreichend Zeit zur Einarbeitung zu geben.

2006 hatte er die Leitung von Josef Illerhues übernommen. Seitdem organisierte er 20 Westerwinkelläufe. Lediglich 2020 musste die Veranstaltung coronabedingt ausfallen.

Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm weniger Streckenrekorde oder sportliche Höchstleistungen als vielmehr jene Momente, in denen der letzte Läufer das Ziel erreicht.

„Dann weiß ich, wir haben in 3,5 Stunden eine Laufveranstaltung mit circa 1000 Sportlern gerockt“, beschreibt Schuschel das Gefühl, wenn alle gesund angekommen sind und die Teilnehmer zufrieden nach Hause gehen.

Wenn anschließend alle gemeinsam aufräumen und sich zur traditionellen „After Race Party“ treffen, fällt auch die letzte Anspannung ab. „Da bin ich schon mächtig stolz auf das Team.“

Drei erfahrene Kräfte hören auf

Mit Schuschel verabschieden sich zwei weitere langjährige Mitstreiter aus dem Organisationsteam. Hans-Ludwig Tyburzy, bislang für die Strecke und die Streckenposten zuständig, sowie Michael Hölscher, der unter anderem die Zeitnahme betreute, geben ihre Aufgaben ebenfalls ab.

Die Leitung übernehmen künftig Dirk Plenter und Thorsten Müller.

Große Ratschläge will Schuschel den beiden nicht mitgeben. Nur einen Satz, den ihm schon sein Vorgänger Josef Illerhues 2006 mit auf den Weg gab: „Irgendwas ist immer!“

Dass an diesem Motto etwas dran ist, haben die vergangenen zwei Jahrzehnte immer wieder gezeigt. Schließlich läuft keine Veranstaltung exakt nach Plan.

Am 7. November noch einmal Vollgas

Bevor Schuschel seine Aufgabe endgültig abgibt, wartet noch einmal ein arbeitsreicher Tag auf ihn und seine Mitstreiter.

Beim 37. Westerwinkellauf stehen Schülerläufe über 1,3 Kilometer, der 2,8 Kilometer lange Schlosslauf als Firmen- und Teamlauf sowie Wettbewerbe über fünf und zehn Kilometer auf dem Programm. Hinzu kommen der Fünf-Kilometer-Walking-Wettbewerb und der 400-Meter-Bambinilauf. Der erste Startschuss fällt um 13 Uhr. Start und Ziel befinden sich an der Turn- und Schwimmhalle in Herbern.

Danach möchte Schuschel den WWL aus einer entspannteren Perspektive erleben. Vielleicht als Streckenposten ganz weit hinten in Westerwinkel, beim Bratwurstverkauf oder einfach mit einem Bier in einer Ecke der Aula.

„Natürlich werde ich nicht ganz aufhören, aber ab nächstem Jahr werde ich den Westerwinkellauf sicher noch mehr genießen“, sagt Schuschel.

Doch zunächst ist er am 7. November noch einmal überall dort gefragt, wo Hilfe gebraucht wird. Erst danach dürfen die anderen für ihn laufen.

Ob auf dem Fahrrad entlang der Strecke oder im Start- und Zielbereich – Orga-Chef Oliver „Olli“ Schuschel ist beim Westerwinkellauf gefühlt überall gleichzeitig. Am 7. November hat er bei seinem letzten Einsatz als Hauptorganisator noch einmal alle Hände voll zu tun.

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Den Nachwuchs im Blick: Olli Schuschel gibt beim Westerwinkellauf persönlich den Startschuss für die Schülerläufe.

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