Süßes Brauchtum – Gebäck im kirchlichen Jahreslauf
Herbern. Gebäck spielt im kirchlichen Jahreslauf seit jeher eine bedeutende Rolle und ist insbesondere rund um die Fastenzeit und das Osterfest reich an symbolischer Bedeutung. Während der 40-tägigen christlichen Fastenzeit ersetzten Brot- und Gebäcksorten häufig die verbotenen Fleischspeisen und prägten so die Ernährung dieser Zeit.
Mit dem Ende der Fastenzeit verändert sich auch das Gebäck: Es wird größer, süßer und insgesamt reichhaltiger. Osterbrote und festliche Kuchen stehen dabei sinnbildlich für Überfluss, Freude und den Neubeginn. Besonders charakteristisch sind figürliche Backwaren wie das Osterlamm oder der seit dem 18. Jahrhundert verbreitete Osterhase.
Diese beiden Motive sind tief in den christlichen Ostertraditionen verwurzelt. Der Hase gilt als Symbol für Fruchtbarkeit und wurde bereits in byzantinischer Zeit auch mit Christus in Verbindung gebracht. Das Lamm hingegen verweist auf das jüdische Passahfest, bei dem es als Opfertier eine zentrale Rolle spielte. Sein weißes Fell steht für Reinheit und Frieden. In der christlichen Symbolik verkörpert es als Agnus Dei – das „Lamm Gottes“ – die Auferstehung Jesu Christi.
Bis heute zieren Kuchen in Hasen- und Lammform viele Ostertafeln. Auch die Herstellung dieser Backwaren hat sich im Laufe der Zeit gewandelt: Während früher tönerne Formen verwendet wurden, die direkt in die Glut gestellt werden konnten, folgten später schwere gusseiserne Modelle und schließlich die heute üblichen Blechformen.
Diese und zahlreiche weitere Exponate rund um das Thema Zucker und Süßwaren sind demnächst in der neuen Ausstellung im Museum Heimathaus zu sehen:
„Die süße Verführung – eine Reise durch Zucker und Zeit“.
Die Ausstellung wird am 12. April 2026 im Rahmen des Frühlingsfestes in Herbern feierlich eröffnet.
Foto: Budde / Heimatverein Herbern – frei zur Veröffentlichung
Süßes Brauchtum – Gebäck im kirchlichen Jahreslauf