Der zarte Duft des Frühlings

Von Edith Budde

Herbern. Der große deutsche Dichter Heinrich Heine hat den Duft des Maiglöckchens als einen Duft der „das Eis des Winters und der Herzen bricht“ beschrieben. Tatsächlich fallen die Eisheiligen und die Blütezeit des Maiglöckchens zusammen. Danach kommt der Sommer. Diese uralte Kulturpflanze ist immer ein Glücks- und Liebessymbol gewesen, weshalb sie z.B. Bestandteil in vielen Brautsträußen ist. In der Blumensprache drücken Maiglöckchen "innige Liebe" aus. Das Grün der Blätter steht für Hoffnung, das Weiß der Blüten signalisieren Reinheit.

Allerdings ist die Pflanze für Tiere und Menschen giftig. Vor den Blättern wird jedes Frühjahr gewarnt. Man könnte sie mit dem zwar etwas früher austreibenden Bärlauch verwechseln. Auch die im Sommer reifenden knallroten Beeren enthalten starke Giftstoffe. Jedoch sind es genau diese Toxine, die das Maiglöckchen auch zu einer Heilpflanze machen. Im Mittelalter war die Blume Bestandteil des «Goldenen Wassers», «Aqua aurea», das bei Augenkrankheiten, Schwindel und «Fallsucht» (Epilepsie) verschrieben wurde. Manchmal auch bei Gicht oder Sommersprossen. Und noch heute wird die herzstärkende Wirkung in der Homöopathie geschätzt und bei Atemnot, Ödemen und Herzinsuffizienz verabreicht. 

Der zarte Duft des Frühlings, das Maiglöckchen.

© Edith Budde