„Ein Traum ging in Erfüllung“ – 50 Jahre Landesliga-Aufstieg des SV Herbern

Herbern. Wenn Josef Reher heute an die Saison 1975/76 zurückdenkt, spürt man sofort, welche Bedeutung diese Zeit für ihn und viele andere Herberner bis heute hat. „Ein Traum ging in Erfüllung“, sagt der damalige Spieler der ersten Mannschaft des SV Herbern über den erstmaligen Aufstieg in die Landesliga.

Für den Verein und das gesamte Dorf war dieser Erfolg weit mehr als nur Fußball. Es war eine Zeit voller Gemeinschaft, Zusammenhalt und Begeisterung – geprägt von einer Mannschaft, die tief in Herbern verwurzelt war.

Eine Mannschaft aus dem Dorf

Der Kern der Mannschaft bestand aus Spielern aus Herbern. Grundlage dafür war die hervorragende Jugendarbeit des Vereins. Ergänzt wurde das Team durch einige Spieler aus der Nachbarstadt Werne, die man bereits aus gemeinsamen Einsätzen in der Jugendkreisauswahl kannte.

So entstand eine Mannschaft, die sportlich erfolgreich war und zugleich hervorragend zusammenpasste. Kameradschaft, Vertrauen und ein großer Siegeswille prägten diese Generation.

Zur Aufstiegsmannschaft gehörten unter anderem Franz Christ, Alfons Reckers, Josef Reher, Bernd Haverkamp, Franz-Josef Storksberger, Günther Büscher, Wolfgang Neumann, Herbert Börste, Bernhard Vieth, Ludger Bomholt, Hermann Frigge, Willi von der Halben, Alfons Sennekamp, Bernd Krampe, Paul Machate und Friedrich Eilers.

Trainer Klaus Herfurth formte gemeinsam mit Fußball-Obmann Walter Strunk ein Team, das nach einer bitteren Enttäuschung im Vorjahr zusammenblieb und sich schließlich mit dem Aufstieg belohnte.

„Ein gallisches Dorf stand Kopf“

Besonders eindrucksvoll erinnert sich Josef Reher an die Begeisterung im Dorf. Bereits im Mai 1975, als der Aufstieg in Westtünnen noch knapp verpasst wurde, machten sich unglaubliche Menschenmengen aus Herbern auf den Weg zum entscheidenden Spiel.

„Wohl über 1000 Personen aus einem Dorf mit damals rund 4.700 Einwohnern waren dabei“, erinnert sich Reher. Ganz Herbern stand Kopf – wie ein „gallisches Dorf“, das gemeinsam mit seiner Mannschaft mitfieberte.

Fußball war damals ein zentraler Bestandteil des Dorflebens. Viele Menschen gingen sonntags selbstverständlich zum Sportplatz an der Werner Straße. Das Freizeitangebot war überschaubar, der Fußball bot Unterhaltung, Gemeinschaft und Gesprächsstoff für die ganze Woche.

Sogar der Pfarrer ließ sich manche Spiele nicht entgehen.

Einfache Zeiten – großer Zusammenhalt

Die Bedingungen rund um den Fußball waren damals noch sehr einfach. Auf dem Rasenplatz an der Werner Straße gab es zu dieser Zeit noch keine sanitären Anlagen. Geduscht wurde deshalb nach den Spielen in der Gaststätte von Walter Strunk. Über die „Rulle“ ging es anschließend gemeinsam zurück zum Fußballplatz oder ins Vereinsleben.

Gerade diese einfachen und oft improvisierten Verhältnisse stärkten den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft und im ganzen Dorf.

Der Verein lebte überwiegend von Mitgliedsbeiträgen und den Einnahmen der vielen Zuschauer. Werbung spielte damals kaum eine Rolle. 1976 zählte der SV Herbern rund 790 Mitglieder. Erste Trikots mit Werbeaufdruck galten schon als etwas Besonderes.

Unterstützt wurde die Mannschaft zudem von engagierten Förderern aus dem Ort. Gleichzeitig galt aber auch: Die Spieler mussten Leistung bringen und „auf dem Platz performen“, wie Josef Reher heute schmunzelnd erzählt.

Mehr als nur Fußball

Der sportliche Erfolg der ersten Mannschaft sorgte 1977/78 sogar für die Erweiterung des Sportplatzes im Siepen und neue Trainingsmöglichkeiten.

Viele Spieler der damaligen Mannschaft engagierten sich später weiterhin für den Verein – als Trainer, Betreuer, Vorstandsmitglieder oder Helfer. Andere blieben dem Sport bis heute verbunden, etwa beim Tennis, Radsport, Laufsport oder im Ü60-Gehfußball.

Für Josef Reher war diese Zeit weit mehr als nur sportlicher Wettbewerb. Er verbindet damit Freundschaften fürs Leben, gemeinsame Ausflüge, Feiern und unzählige „dritte Halbzeiten“ mit Gesang, Bier, Tanz und Geselligkeit.

„Es war eine unbeschwerte, manchmal hemdsärmelige, aber wunderschöne Zeit“, beschreibt er rückblickend.

Gleichzeitig blickt er auch selbstkritisch zurück: „Oft kamen Ehefrauen, Partnerinnen und Kinder in dieser aktiven Zeit zu kurz – leider eine etwas späte Erkenntnis.“

Erinnerung an verstorbene Weggefährten

Mit großer Trauer denkt die Mannschaft an jene Mitglieder der Meistermannschaft, die inzwischen verstorben sind:

Kapitän Herbert Börste († 23.08.2022)

Verteidiger Ludger „Lutz“ Bomholt († 15.07.2023)

Trainer Klaus Herfurth († 12.03.2024)

Betreuer Raimund Wesseling († 18.05.2019)

Fußball-Obmann Walter Strunk († 18.05.2011)

Auch sie haben die Geschichte des SV Herbern entscheidend mitgeprägt und bleiben unvergessen.

Wiedersehen am 17. Mai 2026

Die damalige Mannschaft trifft sich gemeinsam mit ihren Partnerinnen um 12.00 Uhr im Sportheim an der Werner Straße.

Vor dem wichtigen Meisterschaftsspiel der ersten Fußballmannschaft gegen DJK Vorwärts Ahlen (Anstoß: 15.00 Uhr) wollen die „Aufstiegshelden von 1976“ die heutige Mannschaft unterstützen und gemeinsam an die erfolgreiche Landesliga-Saison erinnern.

Ab etwa 13.30 Uhr wird das Sportheim zum Treffpunkt für Freunde, Zeitzeugen und Gäste. Fotos, Berichte und Erinnerungen sollen die Geschichte jener legendären Mannschaft wieder lebendig werden lassen.

Denn auch 50 Jahre später gilt in Herbern noch immer: Der Aufstieg von 1976 war nicht einfach nur Fußball – er war ein Stück Dorfgeschichte.

© Privat

Die Meistermannschaft des SV Herbern 1919 in der Saison 1975/76:

Obere Reihe v.l.: Wolfgang Neumann, Ludger Bomholt, Franz-Josef Storksberger, Alfons Reckers, Franz Christ, Paul Machate, Josef Reher.

Mittlere Reihe v.l.: Günther Büscher, Herbert Börste, Willi von der Halben, Bernd Haverkamp, Bernhard Vieth, Friedrich Eilers, Jürgen Weinandy.

Untere Reihe v.l.: Walter Strunk (Obmann), Hermann Frigge, Alfons Sennekamp, Bernd Krampe, Klaus Herfurth (Trainer).

Die Mannschaft wurde 1975/76 Meister der Bezirksklasse Hellweg und schaffte erstmals den Aufstieg in die Landesliga.

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