Gemeinde informiert Herberner Bürger über Flüchtlingswohnheim
Fakten, Bedenken, Emotionen prägten am Dienstagabend die Bürgerversammlung in Herbern, bei der es um die Planung einer Flüchtlingsunterkunft für 100 Menschen an der Münsterstraße ging. Der Andrang war groß – rund 250 Anwohner und Interessierte waren der Einladung der Gemeindeverwaltung in die Aula der Profilschule gefolgt.
Bürgermeister Thomas Stohldreier gab alle relevanten Informationen über das Vorhaben an die Bürgerinnen und Bürger weiter. Mehrmals im Laufe der Veranstaltung machte er deutlich, dass die Gemeinde mit der Unterbringung von Flüchtlingen eine staatliche Pflichtaufgabe zu erfüllen habe. „Wir erhalten wöchentliche Zuweisungen und sind dazu verpflichtet, Flüchtlinge und Asylbewerber bei uns unterzubringen“, betonte der Bürgermeister immer wieder.
Zur Flüchtlingssituation in der Gemeinde Ascheberg äußerte sich Stefan Feige, Fachbereichsleiter Finanzen und Soziales im Rathaus. „Zurzeit haben wir noch 33 freie Plätze im ganzen Gemeindegebiet zur Verfügung. Es besteht dringender Handlungsbedarf“, sagte Feige. Insgesamt sind, Stand heute, 500 geflüchtete Personen in der Gemeinde untergebracht. Davon 135 in Davensberg, 244 in Ascheberg und 121 in Herbern. „Alle zentralen Unterkünfte sind nahezu voll belegt, die Kapazitäten sind nicht mehr groß“, erklärte Feige und wies darauf hin, dass man seitens der Gemeinde mit dem Rücken zur Wand stehe.
Der Altbau des Lambertus-Seniorenheims in Ascheberg wird ab dem 1. Juni vorübergehend die Situation entschärfen. Um weiterhin sicherstellen zu können, dass die nach wie vor ankommenden Flüchtlinge auch angemessen untergebracht werden, wird die Gemeinde jetzt die Unterkunft in Herbern bauen. Das hat der Rat beschlossen. Das Grundstück an der Münsterstraße befindet sich im Eigentum der Gemeinde und darf sofort bebaut werden.
„Es soll ein wertiges Haus entstehen, das ist uns wichtig. Die Planungen hierfür stehen noch ganz am Anfang“, stellte der Bürgermeister klar. Er ergänzte, dass die Unterbringung der Menschen in Turnhallen keine Lösung sei.
Es folgte eine Fragerunde, die von Bedenken und Emotionen geprägt war. So mahnten mehrere Bürgerinnen an, dass die Infrastruktur bereits jetzt erschöpft sei und es an Schul- und Kinderbetreuungsplätzen mangele. Auch ein Wertverlust von angrenzenden Immobilien sei zu befürchten, ebenso wie die Zunahme der Kriminalität.
Auf die Aussage, dass man den Bürgern hier etwas verkaufen wolle, was sie selbst nicht haben möchten, reagierte Bürgermeister Stohldreier: „Ich trage mit dem Amt des Bürgermeisters Sorge und Nöte für alle Menschen hier in der Gemeinde. Aber auch ich muss mich an Gesetze halten und kann mir nicht das wünschen, was ich gerne hätte.“ Mehrfach stand die Frage nach alternativen Grundstücken und Räumlichkeiten im Raum. Hierzu erläutert der Verwaltungschef, dass andere Standorte nicht zur Debatte stehen würden.
Polizeibeamter Stefan Gohlke als stellvertretende Wachleiter in Lüdinghausen betonte, dass es in Herbern in 16 Monaten (Januar 2023 bis April 2024) zu 15 Einsätzen an verschiedenen Unterkünften im Gemeindegebiet gekommen ist (Brandmeldeanlage, Hilfeersuchen, Unterstützung des Ordnungsamtes, Unfallermittlungen etc). Laut Kriminalitätsstatistik gab es für die Gemeinde Ascheberg in 2023 insgesamt 828 Delikte.
Aus dem Publikum meldete sich das Herberner Urgestein Hans Krass als zukünftiger direkter Nachbar des neuen Flüchtlingswohnheims. „Die Beeinträchtigungen, die im Laufe der Zeit in Bezug auf die Bebauung um das eigene Grundstück da sind, sind eben da. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass viele Dinge, wo jetzt Sorgen aufkommen, gar nicht so zutreffen, wie sich einige das vorstellen. Die Probleme will ich nicht weg reden. Ich kenne viele Beispiele für gelebte Integration.“
Vieles hat die Gemeindeverwaltung bereits bedacht. Eine 24-Stunden-Hotline wird explizit für die direkten Anwohner der geplanten Unterkunft eingerichtet, damit es bei Problemen einen klaren Ansprechpartner gibt. Das Übergangsheim in Ascheberg wird zwei, maximal drei Jahre in Anspruch genommen. Dann soll die Flüchtlingsunterkunft in Herbern fertiggestellt sein. Bürgermeister Thomas Stohldreier versprach den anwesenden Bürgern. „Ich kann Ihnen Ihre Sorgen und Ängste nicht abnehmen, aber ich kann Ihnen hier und heute versichern, dass wir uns kümmern und mit den Anwohnern an der geplanten Unterkunft weiter im Austausch zum Thema zu bleiben."
Foto : (v.l.) Bürgermeister Thomas Stohldreier, Stefan Feige, Rolf Werenbeck-Ueding und Stefan Gohlke