Glasfaser-Ausbau in Ascheberg: Was wirklich in den Kellern liegt – und warum die Gemeinde skeptisch ist
Ascheberg. In den vergangenen Wochen hat der geplante Glasfaser-Ausbau durch GlasfaserPlus (Telekom) in der Gemeinde Ascheberg für Irritationen gesorgt. Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich: Liegt bei uns nicht längst Glasfaser im Haus? Warum also erneut Baustellen, aufgerissene Straßen und intensive Werbung?
Die Gemeindeverwaltung hat nun ausführlich Stellung genommen und zentrale Fragen beantwortet.
Glasfaser liegt bereits bis in die Häuser
Tatsächlich verfügen viele Haushalte in Ascheberg, Herbern und Davensberg bereits seit 2017 über einen echten Glasfaseranschluss bis ins Haus. Damals hatte Unitymedia – heute Vodafone – ein Glasfasernetz errichtet, bei dem die Glasfaserleitungen bis in die Keller beziehungsweise Hausanschlussräume verlegt wurden. Insgesamt können über dieses Netz rund 9.300 Haushalte, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen mit gigabitfähigem Internet versorgt werden.
In der Kommunikation zwischen Vodafone und der Presse war es zuletzt zu Missverständnissen gekommen. Vodafone stellte gegenüber der Gemeindeverwaltung klar: Obwohl es sich technisch um echte Glasfaseranschlüsse handelt, werden über diese Infrastruktur derzeit ausschließlich Kabel-Internet-Tarife vermarktet. Andere Anbieter haben keinen Zugang (kein „Open Access“), und eine Öffnung des Netzes ist aktuell nicht geplant.
Die Glasfaser endet in den Häusern in einer Anschlussbox. Von dort wird das Signal über ein Koaxialkabel weitergeführt. Für alle Haushalte, die sich 2017 für den Ausbau entschieden haben, bedeutet das: Die Glasfaser ist vorhanden – bis ins Haus.
Warum reagiert die Gemeinde kritisch auf den neuen Ausbau?
Aus Sicht der Gemeinde Ascheberg ist die Situation besonders: Ein flächendeckendes Glasfasernetz existiert bereits. Bürgerinnen und Bürger, die bisher keinen Anschluss haben, können sich auch heute noch über Vodafone nachträglich anbinden lassen.
Der nun geplante GlasfaserPlus-Ausbau würde hingegen einen erheblichen organisatorischen und personellen Aufwand verursachen. Die Fachgruppe Tiefbau der Gemeindeverwaltung müsste das Projekt eng begleiten. Das würde Kapazitäten binden, die dann für andere wichtige Vorhaben in der Gemeinde fehlen könnten.
Kritik an der geplanten Verlegemethode
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist die von GlasfaserPlus vorgesehene mindertiefe Verlegung der Leitungen. Statt in der üblichen Tiefe von rund 80 Zentimetern sollen die Glasfaserkabel lediglich etwa 45 Zentimeter unter der Oberfläche verlegt werden – oberhalb bestehender Versorgungsleitungen.
Die Gemeinde sieht darin Risiken:
Bei künftigen Erdarbeiten (z. B. Wasserrohrbrüche, Kanalbau) könnten die Glasfaserkabel leichter beschädigt werden.
Die geringere Tiefe erhöht die Gefahr von Schäden durch Frost oder schwere Fahrzeuge.
Langfristig könnten dadurch höhere Reparatur- und Folgekosten entstehen.
Zwar könnten Kommunen unter bestimmten Auflagen verpflichtet sein, einer mindertiefen Verlegung zuzustimmen, etwa in Geh- und Radwegen oder Grünflächen. Ob und in welchem Umfang dies rechtlich zulässig ist, lässt die Gemeinde derzeit anwaltlich prüfen.
Was passiert mit neu sanierten Straßen?
Besonders sensibel ist der geplante Ausbau in Bereichen, in denen Straßen und Gehwege erst kürzlich erneuert wurden – etwa im Ascheberger Ortskern (Sand- und Himmelstraße), im Anna-Walboem-Weg in Davensberg, in der Krummen Straße in Herbern oder am Eschenplatz.
Vor jeder Baumaßnahme werden grundsätzlich alle Versorger gefragt, ob sie geplante Arbeiten mitnutzen möchten. Auch die Telekom wurde regelmäßig beteiligt, hatte jedoch zu keinem Zeitpunkt Interesse angemeldet.
Nun stellt sich die Frage, ob frisch sanierte Straßen erneut geöffnet werden müssen. Auch hier prüft die Gemeinde derzeit, inwieweit sie dem Ausbau zustimmen muss oder Einschränkungen rechtlich möglich sind.
Sicherheiten und Gewährleistung
Sollte es zum Ausbau kommen, will die Gemeinde klare Bedingungen stellen. Dazu gehören:
Finanzielle Sicherheiten durch GlasfaserPlus für die vollständige Wiederherstellung der Straßen,
eine enge bauliche Begleitung durch die Tiefbauabteilung,
Abnahme jedes einzelnen Bauabschnitts,
sowie eine Gewährleistungsfrist von fünf Jahren.
Besonders problematisch sind Straßen, die noch unter Gewährleistung der ausführenden Baufirmen stehen. Wird hier erneut gebaut, könnte diese Gewährleistung entfallen. In diesem Fall müsste GlasfaserPlus die Verantwortung übernehmen – auch das ist derzeit Gegenstand rechtlicher Klärung.
Aufdringliche Werbung und falsche Aussagen
Viele Bürgerinnen und Bürger berichten zudem von aufdringlichen Werbern, die im Auftrag der Telekom bzw. GlasfaserPlus unterwegs sind – teils bis in die Abendstunden. Die Gemeinde hat hier keine direkte Handhabe. Betroffene können sich jedoch an die von der Telekom beauftragte Ranger Marketing & Vertriebs GmbH wenden (feedback@ranger.de).
Scharf kritisiert die Gemeinde auch die Verbreitung falscher Informationen, etwa die Behauptung, Kupfernetze würden in Kürze abgeschaltet. Die Bundesnetzagentur geht derzeit nicht davon aus, dass eine Abschaltung vor 2030 erfolgt – und selbst dieses Datum gilt als unrealistisch.
Die „Hauseinführung“ eines seit 2017 für Ascheberg typischen Glasfaseranschlusses.
Dieses Foto zeigt die Übergabebox von Glasfaser auf Coax-Kabel, so wie es in den Haushalten der Gemeinde mit Glasfaseranschluss (Unitymedia/Vodafone) Praxis ist.